Anlass unserer Russlandreise war, die Verwandten meiner Lebensgefährten zu besuchen. Mit viel Neugier und auch Vorfreude gingen wir ans Werk und waren auch frohen Mutes, alle Formalitäten schnell erledigt zu haben. Aber vor der Urlaubsfreude kommt die russische Bürokratie. Ein Bollwerk, gleich dem Kommunismus vergangener Tage!
Am Anfang steht die Bürokratie!
Um erste allgemeine Informationen zu erhalten, suchte ich mir die Internetseite der Russischen Botschaft, in der Hoffnung, dort die Telefonnummern zu erhalten, die für mich wichtig wären. Nummer gefunden und gewählt. Zu den angegebenen Zeiten meldete sich bei den ersten Telefonaten immer eine nette weibliche Stimme, die mir wohl sehr wichtige Dinge mitteilte. Zu meinem Leidwesen allerdings auf russisch und vom Band. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, dann - plötzlich und unerwartet - eine weitere weibliche Stimme und diesmal, kein Band! Noch während des Versuches, den Grund meines Anrufes zu nennen, wurde mir auf Russisch etwas erklärt. Meiner Frage ob sie auch deutsch sprechen könne, begegnete die Dame mit der Erwiderung, ob ich wiederum englisch könne?! Nein - eigentlich nicht und ich möchte gerne die Information in Deutsch, obwohl chinesisch wäre auch noch eine Alternative... lag mir auf der Zunge. Aber ein Instinkt sagte mir, lieber nicht. Also, kurz erklärt worum es geht und dann die Info erhalten, folgende Nummer anzurufen: 0190/884445. Äh - eigentlich wollte ich ein Visum!?! Das wäre schon alles so richtig erklärte man mir und damit war das Gespräch für die Dame beendet.
Da für uns das russische Konsulat in Hamburg zuständig ist, wage ich den Versuch, dort in der Visaabteilung weitere und vor allem kostengünstigere Informationen einzuholen. Also, Nummer herausgesucht und los geht's. Besetzt. Neuer Versuch. Besetzt. Na dann eben Morgen. Besetzt. So geht das mehrere Tage an mehreren Konsulaten. Die Krönung ist das Konsulat München. Endlich mal kein Band, aber die Dame sagt nur kurz und knapp: Ich sage nix. Ich dachte mich verhört zu haben und fragte noch mal. Nein - ich sag nix und legt auf. Dann wieder ein Versuch in Hamburg. Frei! Irgendwie kommt mir diese Ansage vom Band bekannt vor!
Nun denn, es geht also nicht anders und ich muss wohl oder übel die 0190er Nummer wählen. Wenn man eine 0190er Nummer anwählt, ist das mit etwas höheren Telefonkosten verbunden als normal. Also, kann ich jedem nur raten, sich vorher genau zu notieren, was man wissen möchte. Hängt man erst mal in der Leitung und fängt zu stottern an, und diesmal ist die Dame an der anderen Seite der Strippe sehr freundlich und hört auch sehr aufmerksam zu (bringt ja Kohle), kann es teuer werden. Nach dem Telefonat, mit dem Gefühl nun alles zu wissen und den russischen Staat gebührend wirtschaftlich gefördert zu haben, lege ich auf und denke: Von nun an wird es einfacher.
Um in den Genuss zu kommen, den russischen Staat als Besucher und nicht als Tourist zu betreten, benötige ich also 1. eine Einladung. Einfach so, mal für ein paar Woche einreisen, nein das geht nicht. Ist ja ganz einfach dachte ich. Sagte meiner Liebsten, ruf doch mal die Oma an, die soll mir einen Brief schreiben und mich einladen. Hier musste ich mich gleich belehren lassen. Einladen kann die Oma schon, allerdings nicht mit einem einfachen Brief in dem sie mich einlädt zu Kaffee und Kuchen. Nein - man benötige dort meine persönlichen Daten, denn die örtliche Polizeikommandantur muss ein entsprechendes Formular ausfüllen. Also wird alles fein säuberlich aufgeschrieben und zur Oma nach St. Petersburg geschickt. Und nun heißt es warten. Denn ohne diese Einladung geht nix. Aber man kann ja zwischendurch schon mal 2. Passfotos machen lassen, denn zwei davon braucht man für den Visumantrag.
Den 3. Visumantrag kann man sich praktischerweise von der Seite der russischen Botschaft herunterladen. Ist zwar nicht gut zu erkennen, aber mit etwas Mühe und der besten Druckeinstellung beim Ausdrucken, einigermaßen brauchbar.
Was jetzt noch fehlt, ist eine 4. Krankenversicherung für den Zeitraum der Reise. Eine Liste der anerkannten Versicherungsgesellschaften findet sich ebenfalls auf der Seite der russischen Botschaft. Immerhin, hier ist die Bürokratie einigermaßen durchorganisiert. Was nicht heißt, dass ich unbedingt in Russland krank werden möchte. Wer weiß, was dann für Formulare auf einen hinzukommen und man hat vielleicht gar keine Zeit zum krank sein...
Seit wir den Entschluss fassten nach Russland zu reisen, sind mittlerweile einige Wochen, genau genommen 3 Monate vergangen. Endlich Ende Mai, trifft die Einladung per Einschreiben bei uns ein. Ein Meilenstein in der Reiseplanung. Sehen irgendwie komisch aus, meine Daten und mein Name in kyrillischen Zeichen. Bin ich das wirklich?! Alle weiteren Unterlagen sind zusammengetragen, der Flug ist gebucht. Nun müssen wir nur noch nach Hamburg zum russischen Konsulat fahren und dort den Visumantrag samt Unterlagen abgeben, in der Hoffnung alles gleich genehmigt zu bekommen. Der aufmerksame Leser bemerkt sicher die ersten Zweifel, was reibungslose Abläufe betrifft. Aber - die Hoffnung stirb zuletzt (jedenfalls in Deutschland).
Hamburg, zum Ersten
Wir haben ca. 2 1/2 Stunden Fahrweg vor uns und wollen pünktlich um 09:00 Uhr am russischen Konsulat in Hamburg sein. Sprechzeiten sind von Montag bis Freitag jeweils 09:00 - 12:00 Uhr. Das hat mir auch das Band am Telefon bestätigt. Haben wir auch wirklich alles zusammen. Vor der Abfahrt schnell noch mal alles überprüft. Ja - es ist alles dabei. Na dann los. Hoffentlich sind wir nicht so spät dran, sagt meine Freundin, denn es könnte voll werden. Meine einzige Befürchtung besteht darin, an einem Schreibtisch vor einem Tonbandgerät zu stehen. Endlich, wir sind in Hamburg. Eigentlich haben wir das Konsulat auch ziemlich schnell gefunden. Allerdings ist es bereits zehn Uhr. Nur noch einige Meter zu gehen. Ah ja - da vorne ist es. Das Gebäude ist an allen Ecken mit Kameras bestückt und gar nicht zu verfehlen. Komisch ist nur, dass es drum herum so ruhig aussieht. Keine Menschenschlangen und auch sonst sieht alles sehr still aus. Man muss also klingeln. Kurz bevor ich auf den Knopf drücke wandert mein Kopf nach links auf ein aufgehängtes Schild, mit einem Text, der mich erstarren lässt. „Am heutigen Tag ist das Konsulat auf Grund eines russischen Feiertages geschlossen!“ Erst beim dritten oder vierten Durchlesen realisiere ich, was das bedeutet. Nein - das will ich jetzt nicht glauben und drücke erst recht den Knopf für die Sprechanlage. Nach ein paar nervenden Bimmeltönen, die sehr denen des Tonbandes am Telefon ähneln "würg!" meldet sich eine männliche Stimme auf Russisch. Da ich nicht russisch kann (mittlerweile hab ich beschlossen, auch nie russisch zu lernen) frage ich auf Deutsch, ob es möglich sei, wenigstens den Visumantrag abgeben zu können. Man erklärt mir, dass heute geschlossen sei wegen eines Feiertages. Was denkt der sich. Meint er, in Deutschland lernt man nicht lesen? Ich frage nochmals und werde einfach weggedrückt! Meine Freundin kämpft mit den Tränen. Inzwischen treffen noch weitere Menschen vor dem Konsulat ein, lesen das Schild und versuchen über die Sprechanlage in Kontakt zu kommen. Es scheint alles zwecklos. Man fängt an sich auszutauschen. Eine Frau ist fast 400 Km gefahren, weil man ihr gestern am Telefon sagte, sie solle ruhig vorbeikommen (warum war bei ihr kein Band dran?). Ein anderes Ehepaar hatte auch am Morgen noch angerufen, aber einen Hinweis vom Band auf das geschlossene Konsulat gab es nicht. Die Bediensteten des Konsulat gingen ein und aus. Also kann man nicht sagen es wäre niemand da, der etwas, zumindest in dringenden Fällen machen könne. Ich spreche einen Mann an, der offensichtlich Angehöriger des Konsulates ist und erkläre ihm worum es geht. Die Computer wären nicht eingeschaltet, sagte er mir. Es ist Feiertag. Kein Erbarmen. Keine Notbesetzung. Kein Visum. Jedenfalls nicht heute.
Hamburg, zum Zweiten
Wir schreiben den 21.06.2002, aber wenn man sich innerhalb des russischen Konsulates umsieht - soweit dies möglich ist - hat man das Gefühl, in die frühen 50er Jahre versetzt zu sein. Es ist nicht der Charme dieser Zeit, sondern die abgewetzten Möbel, die verwohnten und viel benutzten Räume, die sicherlich tausende von Geschichten erzählen könnten. Mir langt allerdings zurzeit unsere!
Pünktlich um 08:45 Uhr haben wir das Konsulat erreicht und stehen nun am Ende einer Schlange von ca. 50 Menschen. Um 08:50 werden die ersten Personen eingelassen. Immer 6, erst durch das Eingangstor, das sich per Summer öffnet, dann durch eine 2. Sicherheitsschleuse. Der Eingang des Konsulates verschluckt sie und draußen schauen viele mit bangen Blicken, als würden sie befürchten, es würde keiner zurückkehren. Während der Wartezeit (seit einer halben Stunde hat sich nichts getan), klingeln immer wieder mal einige Personen am Tor und werden eingelassen. Ich frage nach und man erklärt mir, dass diese Leute ihr bereits fertiges Visum abholen. Ah ja - immerhin soviel Rationalität hat sich doch schon entwickelt. Weitere 6 Personen werden eingelassen. Wieder 30cm gewonnen. Andere verlassen inzwischen das Konsulat, einige mit kleinen, weißen Zetteln in der Hand. Die mit den Zetteln kommen nach kurzer Zeit zurück und werden auf Klingeln auch gleich wieder eingelassen. Und wieder 6. Die Zeitabstände verkürzen sich mittlerweile auf ca. 10 Minuten. Das macht Hoffnung, denn es ist mittlerweile 10:30 Uhr. Endlich dürfen auch wir das Gelände betreten, auf den Eingang zugehen, eintreten und eine kleine Zeitreise in die 50er Jahre machen.
Links also befindet sich der Bereich für die Visa. Es sind dort 2 fensterähnlich Durchbrüche eingelassen. Einer für die Beantragung und ein weiterer für die Ausgabe der Visa. Ich stelle mich in die Schlange am Schalter Beantragung. Die Luft im Raum scheint auch noch von den 50er zu stammen. Stickig, warm und die Gerüche der vielen Menschen hier tun ihr übriges. Endlich bin ich an der Reihe. Da stehe ich nun vor einem mit Panzerglas gesichertem Schalter. Das Glas ist verspiegelt und nur durch ein schwaches Gegenlicht ist schemenhaft eine Person dahinter zu erkennen. Eigentlich eher zu vermuten, zu ahnen. Vielleicht ein verkleidetes Tonband? Schweiß rinnt mir die Stirn herunter. Eine männliche Stimme mit hartem Klang fragt mich was ich möchte. Ja was wohl, meinen Antrag abgeben. Haben sie schon bezahlt, werde ich gefragt. Nein hab ich nicht. Woher soll ich denn wissen wie viel. Bargeld - nein sie müssen den Betrag überweisen. So ist das also. 50,- € sagt man mir und schiebt einen Überweisungsträger durch die Luke unterhalb des Schalters. Wieso 50,- €. Der junge Mann vor mir hat doch nur 35,- € bezahlt denk ich mir. Der sprach allerdings russisch fällt mir ein und auch die Bemerkung meiner Freundin, dass Ausländer (und der bin ich hier) erbarmungslos ausgenommen werden. Das ist also der Anfang! Ich werde also zur Bank geschickt und bin vorerst entlassen.
Sie selbst übrigens steht in einer anderen Schlange, denn ihr Pass ist abgelaufen und sie benötigt einen neuen. Über den Flur werfen wir uns Blicke zu. Ist ja fast wie im Film denk ich mir. Mit dem Überweisungsträger stelle ich mich zu ihr, denn ihr neuer Pass muss ebenfalls per Überweisung bezahlt werden, da kann ich also auf sie warten. Aber erst muss sie in das Büro des diensthabenden Diplomaten. Ich stelle mich dazu und betrete dann mit ihr, als wir an der Reihe sind, den Raum. Der erste Schreibtisch ist besetzt und wir werden an einen Zweiten gesetzt, an dem ein sehr junger Mann einen Stapel Pässe vor sich hat, sie stempelt und an die Seite legt. Nun ist der Stapel durch und wir kommen dran. Denkste. Ein rechts daneben stehender Stapel wird genommen und er beginnt in jedem (es sind 28 an der Zahl) einen länglichen Stempel zu setzen. Wir scheinen für ihn nicht zu existieren. 28 Pässe sind durchgestempelt. Puhhhh. Nun ist jeder Pass mit einem rechteckigen Stempel zu versehen. 28 rechteckige Stempel. Nun aber... Als nächstes wird in jedem der rechteckigen Stempel seine Unterschrift gesetzt. 28 Unterschriften. Fertig!? Von wegen. Es folgt unter jedem rechteckigem Stempel ein schöner runder Stempel. 28 runde Stempel. Tja, er macht das wirklich gut. Sollen wir nun klatschen oder wie ist das gedacht? War eine prima Stempelvorführung! Meine Freundin kriegt die Krise und ringt mit den Tränen. Der lässt uns hier hocken wie zwei lästige Bittsteller. Zwischendurch führt er noch ein Telefonat mit einem Apparat, der ebenfalls aus bereits besagter Zeit stammen muss. Mit Wählscheibe und einem Klang, wie man ihn heute nur von den Spieltelefonen der kleiner Kinder kennt. Eigentlich fehlt nun nur noch, dass die Tür aufgerissen wird, ein russischer Agent in Uniform blutüberströmt in den Raum sinkt, eine Salve aus der Maschinenpistole trifft die Decke und der Kalk rieselt auf die frisch gestempelten Pässe. Frauen kreischen, Kinder weinen und mit einem Lächeln steht er vor uns: der Held, der Retter aller Visumbeantrager und Passabholer, und sagt: Mein Name ist Bond, James Bond... Eine dünne russische Knabenstimme reißt mich aus meinen Träumen. Wir sind wirklich dran und es geht sogar sehr schnell (ob er meinen Traum geahnt hat?)
Den Überweisungszettel in Händen (sie muss 135,- € zahlen) verlassen wir das Konsulat, gehen wir die Straße entlang und begeben uns auf die Suche nach der Dresdner Bank (ich nenne sie hier mal, ohne Werbung machen zu wollen, man wird merken warum). Wie war das noch, geradeaus und dann rechts - oder doch links? Wir kommen gar nicht dazu zu fragen. Alle Menschen die uns entgegen kommen, und mit dem weißen Zettel (Überweisungsträger) in der Hand sehen, weisen uns den Weg: Dresdner Bank, immer dort entlang, so und soviel Meter noch. Sie müssen dort entlang. Immer in diese Richtung. Nur noch ein paar Meter usw. Sollten sie einmal in Hamburg sein, in der Nähe des russischen Konsulates, halten sie keine weißen Zettel in der Hand. Man schickt sie in die Dresdner Bank, ob sie wollen oder nicht.
Nachdem wir unsere Beträge überwiesen haben geht es schnellen Schrittes wieder in Richtung Konsulat, denn es ist mittlerweile 11:45 Uhr. Das fehlte noch, dass man uns nicht mehr hineinlässt, weil wir nach 12:00 Uhr wieder ankommen. 11:50 Uhr. Schweißgebadet stehen wir wieder jeder in seiner Schlange. Als ich an der Reihe bin, schiebe ich meine vollständigen Unterlagen samt Überweisungsträger und frankiertem Rückumschlag hindurch. Ich habe den Betrag überwiesen will ich noch sagen, aber da wird mir schon alles aus der Hand gezogen und als ich noch etwas nachfragen will, ist niemand mehr da - oder doch? Irgendwelche Laute geben mir zu verstehen, dass alles in Ordnung sei und ich könne gehen. Klang irgendwie wie vom Band!? Ich sehe jedenfalls niemanden. Auch meine Freundin hat ihre Sachen erledigt und wir verlassen die Botschaft. Als sich das Eisentor hinter uns schließt haben wir in uns ein seltsames Gefühl von grenzenloser, wieder gewonnener Freiheit.
Hamburg, zum Dritten
Heute soll alles ganz einfach gehen. So denken wir jedenfalls. Den Weg nach Hamburg in das Konsulat findet mein Auto mittlerweile fast schon allein. Wir haben uns übrigens - seit dem letzten Mal schon - für die Fahrtroute über Lüneburg entschieden. Es fährt sich besser und ist auch nicht so eintönig wie über die A2/A7. Was wir jedenfalls nicht benötigten ist ein Routenplaner.
An der Schlange vor dem Konsulat ist zu erkennen, dass wir einen Tag erwischt haben, der nicht mit einem der üblichen russischen Feiertagen gesegnet ist. Das wir nur klingeln brauchen und sofort eingelassen werden um den Pass meiner Freundin abzuholen, ist es ein gutes Gefühl. Es könnte schnell gehen heute. Da mein Visum in der Zwischenzeit noch nicht mit der Post eingetroffen ist, stelle ich mich mal kurz am betreffenden Schalter an und frage, ob es vielleicht fertig sei und ich es gleich mitnehmen könne. Aus einem kleinen weißen Zettel den man mir durchschiebt schreib ich meinen Namen und mein Geburtsdatum. Schwupp - der Zettel ist schon wieder auf der anderen Seite - in Russland :-)
Nun bricht eine lange Zeit des Wartens an. Irgendwie ist mein Pass bzw. der Antrag mit meinem Pass nicht auffindbar. Durch ein wenig Licht im hinteren Teil des Raumes kann ich durch die gespiegelten Scheiben reges Treiben des Konsularangestellten beobachten (wie heißen diese Leute eigentlich? Konsule, Konsulare, Konsularisten, Konsolen????). Die Schlange hinter mir wird immer länger und mir wird dass Ganze langsam peinlich. Dem Konsulenten? ist das so ziemlich einerlei. Er sucht weiter und ich erkenne den gleichen Ablauf wie bei unserem vorigen Besuch, als der junge Konsultan? erst seine Stempelarbeit an den Pässen verrichtete um sich dann unserem Fall zu widmen. Immer schön einen Sache nach der anderen. Ich glaube es waren mittlerweile 20 Minuten und mehrere gedankliche Morde der schlangestehenden Menschen an mir vergangen, als der Konsulist? mit meinem Pass in den Händen wieder vor mir stand. Noch nicht fertig, kann morgen früh abgeholt werden, so hörte ich ihn sagen. Nix da. Da ist ein Umschlag mit bei, den schicken sie mir gefällig, erwiderte ich etwas bockig und ungehalten. Ich verließ den Schalter und die Menschen hinter mir atmeten spürbar erleichtert auf (glaubte ich jedenfalls zu hören).
Meine Freundin hatte mittlerweile auch ihren neuen Pass erhalten. Sie musste nur noch unterschreiben und damit war tatsächlich das Thema russisches Konsulat erledigt. Nach knapp 45 Minuten verließen wir das Gebäude froh und gut gelaunt. Schnell noch einem Mitbürger mit weißem Zettel den Weg zu Bank gezeigt gingen wir zum Auto und traten den Heimweg an.
Irgendwie war uns die Lust an der Stadt Hamburg selbst vergangen. Man (Hamburg) möge uns dies nachsehen. Vielleicht ein anderes mal unter besseren Vorraussetzungen.
Eine Reise ohne Schwierigkeiten ist Langweilig
Tatsächlich bekam ich zwei Tage später meinen Pass mit dem Visum. Welch eine Freude! Und welch ein Entsetzen erst, als ich entdeckte, dass das Visum kürzer ausgestellt war als es sein sollte. Was nun? Telefon in die Hand genommen und das Konsulat angerufen. Ach - ein Band. Wie nett. Immerhin eine besondere Faxnummer in Visaangelegenheiten wurde genannt. Also den Sachverhalt aufgeschrieben und das Fax abgeschickt. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Und das war der Fehler: Der Miliz in St. Petersburg war bei der Erstellung der schriftlichen Einladung entgangen, dass der August 31 Tage hat und hatte fälschlicherweise 21 statt 22 Tage angegeben. Hinzu kam, dass im Konsulat der Anreisetag als erster Tag usw. gerechnet wird. Somit sind es vom 10. August bis 30. August ganze 21 Tage (russischer Zeitrechnung). Wie dem auch sei. An dem ganzen war nun nichts mehr zu ändern. Also ab in das Geschäft in dem ich den Flug bereits gebucht hatte. Hoffentlich war da noch eine Umbuchung des Rückfluges möglich.
Sie war möglich! Puh!!!!
* Ein zeitloser Stimmungsbericht von 2002. Nur Klitzekleinigkeiten haben sich bis heute geändert.